Tarnen & Täuschen

Tarnen & Täuschen –
Too Long; Didn’t Read SOS
Galerie Thomas Flor
Berlin, 2012

Bilder mit beträchtlichem WTF-Gehalt hingen im Jahr darauf in der Ausstellung ‚Tarnen & Täuschen – Too Long; Didn’t Read SOS‘.

Über die grundlegende Bedeutung des MLT-Algorithmus, der die exakte Kartographierbarkeit unzähliger Elemente in dreidimensionalen Bildräumen ermöglicht, und über die Optionen zur Bildherstellung, die sich im Zuge des technologischen Fortschritts seit 2003 im Allgemeinen ergeben haben, spricht Berresheim ausführlich in dem Ausstellungskatalog. Angesichts dieser Optionen entwickelte sich die ‚Resteverwertung der Moderne‘, von der Eduard Beaucamp zwei Jahre zuvor gesprochen hat, allmählich zum Reizthema.

In den kleinformatigen ‚Early Bird‘ Bildern, in denen die dreidimensionalen Bildräume ihrerseits aus den Fugen geraten, werden die ‚erwartungstreuen‘ Spuren der vorab definierten Bewegungen einzelner Objekte visualisiert. Während die Hand des Künstlers hier ausschließlich bei der Festlegung von Parametern zum Einsatz kommt, feiert gleichzeitig die genialische Handschrift in einem latent überhitzten und regressiven Kunstmarkt fröhliche Urständ. In seinem Vortrag anlässlich der ‚Auge und Welt‘-Finissage warf Christian Werthschulte die Frage auf, warum die digitale Welt, trotz der seit den 1960er Jahren regelmäßig reformulierten utopischen Verheißungen, sowohl in (körper-)politischer als auch ästhetischer Hinsicht keine bessere geworden ist – und macht für letzteres, ähnlich wie Tim Berresheim, das Festhalten an einem der wirkmächtigsten Werkzeuge der Moderne, der Collage, verantwortlich.

Wolfgang Brauneis – aus ‚Throwing Signs – 2003-2015‘