Auge und Welt

Auge und Welt
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen Düsseldorf
2014

So mag es kein Zufall sein, dass in dieser Übergangsphase, in der sich alternative Vermittlungs- und Verkaufsmodelle regelrecht aufdrängten, mit ‚Traces‘, ‚Hallöchen‘ und ‚Space and Time‘ gleich drei Einzelausstellungen in Berlin, Aachen und Stuttgart von Privatsammler/innen organisiert worden waren.

In der institutionellen Düsseldorfer Ausstellung ist das Stadium des Transits auch als Bildmotiv (Wegweiser, Hindernis, Warten, Wandern, Pausieren) ein immer wiederkehrendes Thema. Die Umsetzung des entsprechenden ikonographischen Programms übernimmt – vom Entwurf einer Tapete über die Bemalung kleiner skulpturaler Elemente bis zur Oberflächengestaltung der nach einigen Jahren als ‚Aspettatori‘ zurückgekehrten Figuren – der Zeichner Andi Thissen, mittlerweile fester Mitarbeiter des Studios New Amerika und Bassist der Hauscombo Die Wait Watchers. Deren LP zur Ausstellung lag im Foyer neben kleinformatigen Arbeiten und Merchandise in Vitrinen aus, während auf einer Bühne im Hauptraum Vorträge und Gespräche des ‚Institut für Betrachtung‘ (IFB) stattfanden, das Berresheim im September 2014 mitgegründet hat.

Dort soll von einer interessenspolitisch weitgehend unabhängigen Warte aus unter anderem das Verhältnis zwischen Gegenwartskunst und Gegenwart sowie das kunstkritische und – historische Schreiben über Bildende Kunst einer Revision unterzogen werden. Dass das Einfordern von Zeit, die ein solcher zweiter Blick beansprucht, genauso wie das Verteidigen des Autonomiestatus‘ bildkünstlerischer Produktionen, zu einer politischen Handlung werden sollte, war 2003 so nicht zu ahnen.

Wolfgang Brauneis – aus ‚Throwing Signs – 2003-2015‘